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Band 23 der „Emsländischen Geschichte“: Schwerpunkt NS-Zeit und „Natur und Umwelt“

Haselünne: Die Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte präsentiert am Sonnabend (26. November) um 14.30 Uhr im Mühlenmuseum in Haren/Ems, Landegger Straße, den 23. Band ihrer „Blauen Reihe“. Die neue Ausgabe der „Emsländischen Geschichte“ enthält zehn Artikel und neue sechs plattdeutsche Gedicht des Veldhauseners Carl van der Linde. Schwerpunkt der Beiträge sind die Erforschung der NS-Zeit und der Bereich „Umwelt und Natur“. Die meisten Autoren werden persönlich anwesend sein und ihre Beiträge mit Fotos bei Kaffee und adventlichem Gebäck kurz vorstellen.

Erst langsam wird deutlich, dass es in der Grafschaft während der NS-Zeit nicht nur Mitläufer und kurzzeitig Verführte gegeben hat, sondern auch Täter. Sören Groß beschäftigt sich mit einer Täterin, die aus einer weithin bekannten Lehrerfamilie stammt. Die Gildehauserin Friederike Wieking, lebenslang der Grafschaft verbunden, wie Illustrationen zeigen, machte bereits während der Weimarer Republik Karriere als ranghöchste deutsche Polizistin. In der NS-Zeit arbeitete sie im Umfeld Heinrich Himmlers und wurde schließlich Leiterin eines Jugend-KZs. Nach der Entlassung aus sowjetischer Haft lebte sie hochgeehrt in Westberlin.

Zwei weitere Artikel beschäftigen sich mit der kindlichen Wahrnehmung des Kriegsendes im Raum Lingen, wo Anfang April 1945 nach der schnellen Besetzung Nordhorns heftige Kämpfe stattfanden. Lina Kröger analysiert dazu neu aufgefundene Aufsätze von Lingener Schulkindern, die 1947 ihre Erlebnisse bei Kriegsende schriftlich festhalten mussten. Helmut Lensing und Eberhard von Wolff präsentieren die mit Einleitung und Erklärungen versehenen umfangreichen Seiten der Schulchronik Haren über die Geschichte von Schule und Gemeinde in der NS-Zeit.

Adolf Hitler 1936 auf dem Meppener Schießplatz - ein Ereignis, von dem die Schulchronik Haren berichtete.

Zahlreiche farbige Fotos vom Goldregenpfeifer und Austernfischer

Die mit vielen hervorragenden, vielfach mit farbigen Fotos illustrierten Beiträge aus dem Bereich „Natur und Umwelt“ betreffen allesamt auch die Grafschaft. Helmut Lensing befasst sich mit dem farbenprächtigen Goldregenpfeifer, lange Jahrzehnte der seltenste Brutvogel Deutschlands. Bis vor wenigen Jahren lebte er noch im Wietmarscher-Dalumer Moor und der Esterwegener Dose. Ebenfalls gut illustriert ist sein Beitrag über einen Bewohner der früher so großen Grafschafter Wiesenflächen, über den auch als „Halligstorch“ bekannten Austernfischer. Nach diesen beiden ornithologischen Beiträgen stellt Dr. Johannes Hofmeister vom LWL in Münster den Bildnachlass des Museumsdirektors Dr. Hermann Reichling vor. Der begeisterte Naturschützer und Ornithologe durchstreifte zwischen 1920 und 1945 vielfach die Grafschaft und das Emsland. Dabei hielt er eine inzwischen weitgehend verschollene Landschaft mit deren Bewohnern im Bild fest.

In der Rubrik „Biographien zur Geschichte des Emslandes und der Grafschaft Bentheim“ werden die Lebensläufe Nummer 205 und 206 abgedruckt. Helmut Lensing stellt mit vielen Farbfotos Leben und Werk des Nordhorner Lehrers Wilhelm Brinkmann vor, ein seinerzeit weithin bekannter Ornithologe und Tierfotograf. Als NS-Gegner wurde der ehrenamtliche Grafschafter Naturschutzbeauftragter und Mittelschullehrer 1941 ins emsländische Lathen strafversetzt. Darüber hinaus findet sich hier ein Lebenslauf des Meppener Zeitungsverlegers Heinrich Wegener sen.

Für die zahlreichen Familienforscher der Region ist der Beitrag von Hans Jürgen Hilling aus Hamburg von Belang. Er untersucht das Heiratsverhalten der Meppener Familie Backemude von 1470 bis 1700. Die Meppener Bürgermeisterfamilie war im Raum zwischen Groningen, Ostfriesland und Münster vielfach vernetzt. Paul Thoben aus Aschendorf stellt Bibliothek und Archiv des Herrenhauses Altenkamp aus Aschendorf vor. Dort wohnte die Familie Behnes, die über vier Generationen zahlreiche Juristen, Amtmänner, Landräte und Abgeordnete stellte.

Der Band 23 der „ Emsländische Geschichte“ umfasst 397 Seiten und kostet 25,- Euro. Er ist im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-9818393-0-2) oder kann zzgl. Versandkostenanteil auch bestellt – und die Reihe verbilligt abonniert – werden über: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

Reformation und Gegenreformation im nördlichen Emsland

Die Thematik umfasst die damaligen Kirchspiele

Aschendorf mit der Kapelle Borsum,

Rhede und Heede,

Steinbild mit der Kapelle Dörpen

und Lathen mit der Kapelle Fresenburg.

Die besondere Lage des nördlichen Emslandes, die kirchliche Zugehörigkeit zum Bistum Osnabrück und die politische Zugehörigkeit zum Fürstbistum Münster im Mittelalter und der frühen Neuzeit, die unmittelbare Nachbarschaft zu den Niederlanden und zu Ostfriesland bilden einen besonderen Anreiz, die Ereignisse jener wichtigen und spannenden Zeitepoche am Beispiel unserer Heimat nachzugehen und zu erläutern.

Eine wesentliche Grundlage dieses Vortrages bilden die bereits um 1981 durchgeführten Forschungen von dem gebürtigen Aschendorfer und später in Meppen früh verstorbenen Gymnasiallehrer Franz-Josef Klee.

Aus Anlass des 500-jährigen Reformationsgedenkens stellt der Referent Gerd Harpel folgende Punkte in den Vordergrund:

a) die Voraussetzungen der Reformation,

b) die Entwicklung der lutherischen Lehre im nördlichen Emsland und

c) die Voraussetzungen und Durchführung der Gegenreformation in diesem Gebiet.

Donnerstag, 7. September 2017, 19.30 Uhr, Heimathaus Aschendorf

Der Eintritt beträgt 2 €, für Mitglieder des HBV ist der Eintritt frei.

Veranstalter: Heimat- und Bürgerverein Aschendorf (Ems) e.V. (HBV)